fever° (Update)
Manchmal steht man seinem “Glück” ja wirklich selbst im Weg. Es ist bereits ein paar Wochen her, seit ich von fever° gehört habe, und ich war auch sofort auf der dazugehörigen Website. Klang auch alles ganz toll, aber ein gewisser Zweifel wollte einfach nicht verfliegen.
Man hat sich ja auch mittlerweile daran gewöhnt, dass Google einfach nicht so leicht das Wasser gereicht werden kann. Und dann auch noch bei dem Google-Produkt, welches ich neben der Suche, am meisten nutze. Es ist eventuell sogar das von mir meistgenutzte Tool im Netz: der Google-Reader. Ich surfe nicht, ich lese meine Feeds und die darin enthaltenen Links. Dagegen kommt eventuell noch Twitter an.
Trotz erheblicher Datenschutzbedenken habe ich den Google Reader jahrelang verwendet, weil alle anderen Reader eine gewaltige Schwachstelle hatten. Es gab einfach keinen, der für alle von mir verwendeten Plattformen verfügbar war und sich dann auch noch synchronisierte. Nichts ist nerviger, als auf 3 verschiedenen Rechnern abgleichen zu müssen, was man bereits gelesen und und was nicht. Und auch ansonsten war der Google Reader einfach praktisch.
fever° hat diese Probleme nicht, da fever° ebenfalls webbasiert ist. Browser auf, lesen, fertig. Vorteil gegenüber google? fever° läuft auf meinem eigenen Server.
Dennoch hatte ich auch bei fever° Datenschutzbedenken, denn dort gibt es eine eigentlich recht praktische Funktion: Feeds werden nach ihrer “Temperatur” geordnet. Dinge, die – für mich – besonders interessant sein sollen, werden ganz oben im Reader angezeigt. Ich war mir nicht sicher, wie fever° dies bewerkstelligt. Werden alle Feeds, die andere Nutzer interessant finden, an einen zentralen Server gesendet und dann dort mit meinen Feeds abgeglichen? – Die Antwort lautet: Nein.
Stattdessen schaut fever° anhand von Links in den Feeds nach, ob sich bestimmte Themen auf ein und denselben Link beziehen. Je mehr Themen meiner Feeds dies tun, um so interessanter scheint das Thema zu sein. Darüberhinaus lässt sich die Gewichtung noch weiter beeinflussen, indem man fever° mitteilt, welche Feeds man besonders wichtig findet, sprich besonders gerne liest.
Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist, dass man recht einfach überblicken kann, welche Feeds dasselbe Thema behandeln, denn fever° gruppiert die “heißen” Themen aus mehreren Feeds unter einem Oberpunkt:
Im Zweifelsfall reicht es dann oft sogar aus, nur einen Eintrag zu dem Thema zu lesen. Findet man ein Thema gänzlich uninteressant, kann man den Link auf den sich die Gewichtung bezieht blocken (regex).
Neben dieser, doch recht außergewöhnlichen Funktion, bietet fever° nahezu alles, was auch der Google Reader kann, teilweise sogar mehr. Man kann Gruppen anlegen und seine Feeds per Drag & Drop hineinsortieren, außerdem können Feeds mehreren Gruppen zugeordnet sein. So habe ich z.B. einige Feeds, die ich nur dann lese, wenn ich Zeit übrig habe. Diese sind aber sehr Themenübergreifend. Dank fever° kann ich diese Feeds nun in zwei Gruppen vorhalten. Eine davon dient nur dem Zweck, alle Themen dieser Feeds komfortabel als gelesen zu markieren (Mark group as read), wenn die Zeit mal nicht reicht.
Weiteres Highlight gegenüber Google: Für jede Gruppe/jeden Feed kann eingestellt werden, ob man zunächst nur eine Zusammenfassung angezeigt bekommen möchte oder gleich den gesamten Inhalt. Ebenso kann man wählen ob Bilder angezeigt werden sollen oder nicht.
Ebenfalls nett, fever° kann man (ähnlich wie den Google Reader) komplett per Tastatur bedienen. Wirklich fantastisch ist die Suchfunktion von fever°. Einfach einen Begriff in das Suchfeld eingeben und Sekunden später werden alle Themen angezeigt, die den Suchbegriff enthalten. Darüber hinaus kann man, ebenso wie bei Google, einzelne Themen markieren und so in einem gesonderten Bereich speichern.
Weit überlegen ist fever° dem Google Reader, wenn man seine Feeds auf dem iPod/iPhone liest. fever° ist hier deutlich übersichtlicher und auch schneller. Mehr wie eine App als eine Website.
Da fever° ein Single-User Programm ist, fehlt aber leider die “Empfehlen”-Funktion des Google Readers. Die aktuelle Version ist aber 1.0.8 und es scheint mir, als wäre alles soweit vorbereitet um in einer späteren Version mehrere Benutzer zu unterstützen.
Die Installation ist extrem einfach, man lädt sich eine kleine ZIP-Datei vom fever-Server herunter, entpackt diese auf seinem Server und ruft die entsprechende URL auf. Der Installer prüft dann, ob alle Systemvoraussetzungen erfüllt sind. Erst dann wird der Bezahlvorgang aufgerufen. Sind die 30$ überwiesen (Kreditkarte oder Paypal) beginnt die eigentliche Installation, die im Grunde nur noch in der Eingabe des Lizenzschlüssels besteht. Sekunden später ist fever° einsatzbereit. Nun noch die OPML-Datei mit den Feeds hochladen und schon kann man seine Feeds in Sparks (besonders wichtig) und Kindlings (der Rest) einteilen. Gruppen werden aus der OPML-Datei automatisch übernommen.
Wer mag (und kann) richtet sich nun noch einen kleinen Cronjob ein und erspart sich die Wartezeit beim Aktualisieren der Feeds.
Schon kann man sich an einer Oberfläche erfreuen, von der Google sich durchaus etwas abschneiden könnte. Bleibt nur die Frage, ob ich jetzt meinen Google-Account überhaupt noch brauche… :)
Update:
Die Sparks sind eigentlich für Feeds gedacht, die man normalerweise nicht mehr lesen würde, damit man in der Hot-Kategorie dennoch auf spannende Themen aufmerksam gemacht wird. Sehr gut geeignet sind auch Seiten wie Rivva, die einfach nur Artikel erneut veröffentlichen. Auch eine Technorati-Suche macht sich hier sehr gut.
Ich hatte anfangs meine als am wichtigsten empfundenen Blogs dort abgelegt, da ich auch dort nicht immer alles lese. Ich habe es nun aber mal so gemacht, wie es eigentlich empfohlen wird und es ist tatsächlich noch besser so. Allein schon deswegen, weil die Sparks in den anderen Kategorien nicht erscheinen. In meinem Sparks befinden sich nun Feeds von Seiten wie heise, golem, rivva und einige Technorati-Suchen. Wer noch mehr Seiten wie z.B. Rivva kennt, immer her damit. :)
2 Kommentare
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Mittlerweile kann man gespeicherte Artikel in fever° auch (ähnlich wie ich es früher mit dem google reader konnte) freigeben. Natürlich nicht ganz so wie beim google reader, wie auch bei einem Single-User-System, aber per RSS-Feed.
Weitere neue Features sind Twitter, Delicious und Instapaper-Anbindung (im Grunde Anbindung an so ziemlich alles, was man per GET-Parameter befüttern kann, da man die Einträge editieren kann, ich nutze z.B. statt Instapaper nun Read it later). Außerdem kann man Artikel per E-Mail weiterempfehlen.
Leider funktioniert die Anbindung an diese externen Dienste bisher nur bei Artikeln, die eine Zusammenfassung mitbringen, übermittelt der Feed nur einen Titel stehen die Funktionen nicht zur Verfügung, da das entsprechende Icon im Contentbereich angezeigt wird, der hier dann ja fehlt. Auch per Tastenkombination funktionieren die Funktionen dann leider nicht.
[...] Ich hatte vor einiger Zeit von einer Software gehört, mint. So Weblogstatistiken und sowas. Mit Plugins, pepper genannt. Aufmerksam geworden bin ich auf mint durch den RSS-Reader fever°, den ich in einem anderen Blog schon einmal genauer beschrieben habe. [...]